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die literarische Seite von Birgit Gerlach

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DIE LITERARISCHE SEITE - PODIUM FÜR GÄSTE


Über Beiträge meiner Leser, die selbst Gedichte oder Geschichten schreiben, würde ich mich sehr freuen. Hier ist der richtige Platz.

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Gastbeiträge

 



Andreas Dietrich

08.04.2022



Der Drache


Fröhlich war der kleine Drache, fröhlich, wie es nun mal die Drachen in seinem Alter sind. Und ein bisschen übermütig. Er liebte es, über die Wiese vor seiner Höhle zu springen, an den roten und blauen Blumen zu schnuppern und den Schmetterlingen nachzujagen. Manchmal, wenn es gar zu heiß war im Sommer, lag er auch stundenlang unter einer alten Eiche und träumte, ach, die schönsten Dinge träumte er!
Eines Tages aber geschah etwas Merkwürdiges: Menschen, von denen er nur selten welche zu Gesicht bekommen hatte bisher und dann auch nur von fern, Menschen kamen ganz dicht heran an die Wiese vor seiner Höhle. Sie weinten und jammerten und waren alle in Schwarz gekleidet.
Allen voran aber war ein graubärtiger Greis, der hatte einen roten Mantel um und eine goldene Krone auf dem Kopf, und an seiner Hand führte er ein junges Mädchen, das war ganz in Weiß. Jetzt beugte er sich zu dem Mädchen und küsste es auf die Wange, dann strich er ihm über das lange, blonde Haar, wandte sich schnell ab und ging zurück, und mit ihm gingen alle - den Weg zurück, den sie gekommen waren.
Das Mädchen war ins Gras gesunken, und dort lag es, ängstlich zusammengekrümmt, ohne sich zu rühren. Der kleine Drache wusste nicht, was das zu bedeuten hatte, verwirrt und neugierig zugleich spähte er den sich entfernenden Menschen nach und nach dem Mädchen, und als er meinte, wieder allein zu sein in seinem Tal, trat er vorsichtig auf die Wiese und näherte sich verhaltenen Schrittes dem schlafenden Mädchen. Aber als er schon beinahe neben ihm stand, sah er, dass es gar nicht schlief, sondern, das Gesicht ins Gras gepresst, bitterlich weinte. Verlegen stand er eine Weile, und er überlegte, wie er ihm helfen könnte…
Da kam ein Ritter, tötete den Drachen, und ehe das Mädchen wusste, wie ihm geschah, war es befreit, und der Ritter führte die Errettete auf seine Burg, da sollte sie ihm seine Frau sein bis an ihr Ende. So war es der Brauch.




Andreas Dietrich

12.03.2021



Schach I


Du wirst springen

Wenn dein König es

Von dir verlangt.

Das ist das Schicksal

Des Springers.




Andreas Dietrich

23.01.2021



Das Meer


Gleich hinter dem Strand

Beginnt das Meer das

Immerwartende.